Verkehrswende – Billiger wirds nicht

Auch ohne klaren Plan kommt man irgendwo hin, aber meist nicht ans gewünschte Ziel. Dies gilt auch für die Verkehrswende. Marie-Luise Zwicker mit Erkenntnissen aus der Studie „Szenarien zur Berechnung der Kosten für die Verkehrswende“.

Die Definition ist klar: Als Verkehrswende, auch Mobilitätswende, wird der gesellschaftliche, technologische, planerische und politische Prozess bezeichnet, um Verkehr plus Mobilität auf nachhaltige Energieträger, sanfte Mobilitätsnutzung und eine Vernetzung verschiedener Verkehrsformen umzustellen. Was im Individualverkehr sowie im öffentlichen Personennahverkehr bereits im Rollen ist, bereitet dem Güterverkehr noch die eine oder andere Sorgenfalte. Doch was braucht es, um die Wende zu schaffen? Marie-Luise Zwicker, Consultant Mobility and Transport beim Wirtschaftsforschungsunternehmen Prognos, mit ihrer Einschätzung aus aktuellen Studienergebnissen.

Verlagern plus verbessern
Knapp 75 % beträgt der Marktanteil des Straßengüterverkehrs an der Güterverkehrsleistung in Österreich. Das Erreichen der angestrebten Klimaneutralität ist daher stark von der erfolgreichen Dekarbonisierung der künftigen Transporte auf den nationalen wie auch internationalen Straßen abhängig. Bedingt durch die Anforderungen lassen sich leichte Nutzfahrzeuge früher elektrifizieren als schwere. Eine rege Diskussion ist im Gange, wie die Ladeinfrastruktur aufgebaut werden soll – Oberleitungen oder Batterien wären mögliche Optionen. Neben Optimierungen im Straßengüterverkehr ist zudem die Verlagerung von Straße auf Schiene dank der hohen Energieeffizienz angesichts knapper Ressourcen vorteilhaft. Der Anteil des Schienengüterverkehrs ist laut Statistik Austria zuletzt jedoch sogar gesunken – 2023 um fast neun Prozent. Damit ist das Ziel, bis 2040 40 Prozent des Güterverkehrs auf die Schiene zu verlagern, in weitere Ferne gerückt.

Potenzial zur Akzeptanz
Ausgehend von Studienergebnissen für Deutschland wird grob geschätzt, dass der Güterverkehr in Österreich rund 14 Milliarden Euro pro Jahr kostet. In die anfallenden Kosten sind die Kategorien Fahrzeuge bzw. Züge, Infrastruktur, Personal, Energie, Wartung und externe Kosten wie Klimaschadenskosten eingerechnet. Den mit Abstand größten Kostenanteil – annähernd die Hälfte – haben dabei die Personalkosten, welche in erster Linie im Straßengüterverkehr entstehen. Vor dem Hintergrund eines sich in den nächsten Jahren noch verschärfenden Fahrermangels kann die Verlagerung von Transporten auf die Schiene neben CO2-Einsparungen auch in diesem Bereich für Entlastung sorgen. Die Verkehrswende wird jedoch kurz- und mittelfristig Investitionen verlangen, langfristig zeigt sich aber deutliches Potenzial für Kosteneinsparungen und weitere positive Nebeneffekte. Es ist zu beobachten, dass die Beantwortung der Frage nach der Finanzierung der notwendigen Investitionen zentral für die gesellschaftliche Akzeptanz sowie die politische Durchsetzbarkeit der Verkehrswende ist. Die Politik ist gefragt, auf den verschiedenen administrativen Ebenen durch klare Vorgaben und unterstützende Rahmenbedingungen die Weichen für entsprechende öffentliche wie private Investitionen und damit eine erfolgreiche Transformation des Verkehrssektors zu stellen.

Marie-Luise Zwicker
Marie-Luise Zwicker / © Annette Koroll

Durchhalten…
…zahlt sich aus. So das Fazit zur Güterverkehrswende. Klare Entscheidungen zu treffen und an ihnen festzuhalten, ist jedenfalls essenziell für das Gelingen, ist Marie-Luise Zwicker aus den Studienergebnissen überzeugt. „Wird der eingeschlagene Pfad Richtung Klimaneutralität gehalten, werden Wirtschaft, Gesellschaft sowie Bürger auf individueller Ebene langfristig betrachtet davon profitieren. Bleibt man hingegen im aktuellen System, so werden auch höhere Kosten für die Mobilität auf uns zukommen.“

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